Monument

Aber manchmal verlier ich mich halt. Ganz ohne Grund. Ganz ohne Vorwarnung. In einem Moment stehe ich auf einem Monument aus robuster Hoffnung und mildem Optimismus und dann will ich fliegen und vergesse, dass ich in der Luft kein Monument habe. Dann ist da nichts. Dann strample ich wie wild und gerate in Panik weil ich mein Monument nicht unter meinen Füssen spüre. Wenn ich nichts als Luft spüre, unter, neben, über mir. Nichts Festes, nur lose Fetzen aus vergangenen Gedanken. Erinnerungen, unangenehme Fragen und ein paar alte Dämonen die durch die Luft wirbeln. Ich schreie und ich rudere mit den Armen, versuche alle Fetzen einzufangen, zu bündeln und unter meine Füsse zu packen damit ich wieder stehen kann. Vielleicht will ich doch nicht fliegen, nicht wissend wohin. Ich kann das nicht. Ich will meinen Weg vor mir sehen und nicht aus der Höhe erahnen müssen.

Es ist nicht wahr, dass mich niemand hören kann wenn ich unkontrolliert durch die Luft fliege und dabei schreie. Ganz weit weg kann ich sie sehen, wie sie mich rufen und mich zurück bringen wollen. Aber ich höre sie nicht. Was wissen sie schon vom Fliegen. Ich tanze hier oben mit meinen Dämonen, lasse mich einnehmen, fliege mit, lasse los.

Bis mir die Luft dort oben zu dünn wird und ich nicht mehr atmen kann. Ich ersticke, werde langsamer, beginne zu fallen und schlage auf dem Boden auf. Hart. Es ist nicht das erste Mal. Die Wunden werden heilen. Immerhin bin ich zurück auf dem Boden. Du wirst schon kommen und mich vom Boden abkratzen. Mich zusammenflicken wie Du es immer tust. Und immer wieder habe ich Angst, dass es das letzte Mal sein könnte. Dass Du mich ein letztes Mal aufpäppelst, dass es Dir doch noch zu bunt wird mit mir. Zu anstrengend. Zu unstabil. Zu unsicher.

‘Es wird wieder. Solange bin ich da. Und noch viel länger.’ Sagst Du. Hebst mich hoch und trägst mich davon. Zurück. Heimwärts. Wo Du schon lange damit begonnen hast ein neues Monument zu bauen. Ein grosses. ‘Für uns beide. Dann kann ich Dich immer festhalten.’

Sagst du.